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Christian Jenul

Eine besondere Nachsuche

Karnische Alpen, Österreich
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“'Dringend Christian anrufen' steht auf dem gelben Zettel, den ich spät abends auf dem Schreibtisch fand. ”

Nach langem Klingeln wusste ich, einer meiner besten Jagdfreunde ist auf der Alm und muss erst einen Empfangsplatz suchen. Schon an der Stimme ist zu spüren, da hat sich was getan. Ja, er hat auf einen Hirsch, einen jüngeren Achter geschossen. Schweiß ist vorhanden und ob ich morgen mit dem Pickup den Transport übernehmen könnte. Nimm vorsichtshalber auch den Hund mit…Na, keine Frage! Das wird ein schöner sonntäglicher Freundschaftsdienst mit Almstimmung, anschließendem feuchtem Trieb, gleichzeitig Frühschoppen usw.

Zeitig früh steht Michael, Bruder des Schützen und Fischer, vor der Tür und wir machen uns mit Assi auf den Weg in die Alm. Wer Assi ist? Assi ist meine Welsh-Terrierhündin, steht im fünften Behang und ist ein gutmütiges aber empfindliches Weiberl. Außer bei einem Beutestück, da kann sie schon einmal die Beherrschung verlieren. Ursprünglich zum Stöbern gedacht, stellte sich bald heraus, sie hat es mehr mit der Nase. Also wurde sie auf Schweiß gelernt. Erfolgreiche Nachsuchen bestätigen, dass die Entscheidung richtig war.

In der Alm angekommen gelangen wir nach einem kurzen Fußweg zum Anschuss. Lange Gesichter bei Christian, seinem Vater Andreas und Freund Oswin, denn vom Stück war noch keine Spur – also noch einmal von vorne mit der Beweismittelaufnahme und Vorgehensweise. Assi setzt am Anschuss – zur Verzweiflung aller – wieder ihre eigene Methode ein. Interessiertes aber unkontrolliertes im Kreis hin- und hersuchen, bis dann eine Richtung erkennbar wird. Sie führt uns zum ersten Wundbett und vereinzelte Schweißtropfen bestätigen die Suche.

Weiter geht es zusammen mit den Schützen in steileres Gelände und der erste Graben wird überquert. Hier entdecken wir schon wieder ein Wundbett und dann noch eins. Wir müssen also bald am Stück sein. Nach nochmaliger Überquerung eines Grabens und ohne weitere Bestätigung halten wir resigniert und machen Rast. Über einen halben Kilometer(!) sind wir inzwischen unterwegs und es keimt der Verdacht auf, dass es ein Laufschuss ist. Was tun?

Schnallen ist in diesem Gelände und in unmittelbarer Nähe des Wildbaches ein zu hohes Risiko. Ich schlage vor einen größeren, stärkeren und vor allem ausgerasteten Hund zu holen. Bis dieser organisiert und hier im Gelände ist, würde wieder ein Großteil des Tages vergehen und wir beschließen die Nachsuche fortzusetzen. Zuerst werden wir durch weitere Bestätigungen belohnt. Hoffnung keimt auf, die dann wieder zerstört wird. Auf eine lange Strecke mit einigen Grabenüberquerungen können wir nichts mehr ausmachen. Auch der Hund ist übermüdet und wir beschließen nach einer weiteren Rast die Nachsuche abzubrechen. Wir wollen zurück zu den anderen, endlich frühstücken und uns neu beratschlagen. Gesagt, getan. Christian nimmt, in der Hoffnung doch etwas zu finden, etwa 50 Meter unter mir den Rückweg auf.

Nach einer zusätzlichen Verschnaufpause gehe ich zurück zur bestätigten Fährte, da gibt Assi plötzlich die Richtung an. Damit ist zu entscheiden, ob wir den vereinbarten Rückweg einhalten oder weitersuchen sollen. Im Zweifelsfalle hat immer der Hund recht, heißt es, und deshalb beschließen wir weiterzusuchen. Jetzt fehlt die Kontaktmöglichkeit zu den anderen um den Bereich abstellen zu lassen. Aber vielleicht kommen sie auf den Gedanken.  Das Gelände zeigt seine schroffsten Seiten und auf einem Stein unter einen Felsvorsprung verweist Assi wieder einige Tropfen Schweiß. Nach Querung einer Hangrutschung (man fragt sich, wie das weidwunde Stück das schaffen konnte) wird das Gelände wieder annehmbarer und im Waldboden sieht man stellenweise Fährtenabdrücke. Gering, aber doch, lassen sich wieder einige Tropfen Schweiß finden. An der Richtung ist erkennbar, dass wir uns dem Jägerstein und damit der Reviergrenze nähern. Wenn die Freunde an das Abstellen gedacht haben, war die Mühe umsonst. Diese Stelle, gekreuzt durch Almweg und Wildbach, ist nie und nimmer ein Punkt an dem abgestellt wird.

Assi ist fast beleidigt als ich sie nach mehr als 2,5 Kilometern(!) von der Fährte abtrage. Obwohl augenscheinlich erschöpft, will sie mich durch Nachwinden überzeugen weiter zu suchen. Inzwischen werde auch ich schon gesucht. Die Freunde haben sich natürlich Sorgen gemacht, weil ich nicht zum vereinbarten Treffpunkt zurückgekommen bin. Mein Handy habe ich leider nicht mitgenommen, da ich mir dachte, ohnehin keinen Empfang zu haben.

Während einer ausgiebigen Jause bei unseren Almleuten wird Reviernachbar Bernhard informiert und nach vielen erfolglosen Versuchen Peter aus der Nachbarortschaft mit seinen Bayrischen Hunden für die weitere Nachsuche gefunden. Für eine Stärkung zu müde, kühlt sich Assi im Brunntrog ab und der Almsenner erzählt uns so nebenbei von einem Motorradfahrer, der gerade vorbei gekommen ist. Diesem ist unten beim Jägerstein ein Hirsch über den Weg gewechselt bei dem der hintere Lauf “schlenkert”. Also doch ein Laufschuss!

Nachsuche die 2.
Nach einer Lagebesprechung teilt Reviernachbar Bernhard die Abstellschützen ein. Unmittelbar nach meiner letzten Markierung und mitten am Zubringerweg stoßen wir wieder auf Schweiß. Inzwischen ist Peter eingetroffen. Sein Bayrischer Hund ist zwar jung, noch etwas ungestüm, aber gut veranlagt und voll neuer Energie. Nach dem Beziehen der Stände soll er beim letzten Schweiß angesetzt werden. Da Peter gerade eine Augenverletzung ausheilt, übernimmt Karl-Heinz, der Sohn des Reviernachbarn, die Rolle des Hundeführers.

Nach kurzer Strecke meldet er den ersten Sichtkontakt. Für einen Schuss reicht es nicht und der Hirsch flüchtet weiter. Ein quer liegender Ast an der Wegkante dient mir an meinem Stand als Sitzgelegenheit. Es ist zwar nicht besonders bequem, aber nach einigen Anschlagübungen doch akzeptabel. Stolz betrachte ich die neue Ferlacher, mit der ich noch nie auf ein Stück angehalten habe. Besonders das Swarovski Optik Zielfernrohr Z6i hat es mir angetan und ich schalte den Tagesleuchtpunkt ein, als sich plötzlich die Ereignisse überschlagen.

Der Hirsch bricht ca. 80 Meter vor mir aus der Dickung, kommt auf den Weg, stoppt, dreht sich schlagartig um und es erreicht ihn die erste Kugel. Kurz quittiert er den Schuss, um in der Folge hochflüchtig genau auf mich zuzupreschen. Der zerschossene Lauf scheint kein Hindernis zu sein. Im Abstand von zwei Metern an mir vorbei versucht er die dahinter abgelegte Assi zu forkeln. Vor dem Verlassen der Geländekante erreicht ihn der zweite Schuss und er verendet direkt neben dem Weg. Inzwischen sind 8 Stunden (!) vergangen und alle, besonders der Schütze, freuen sich über den Erfolg.

Meinen Welsh-Terrierhund betrachte ich ab heute mit anderen Augen. Trotzdem werden wir bei der nächsten Nachsuche einige Dinge anders machen.

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