Manchmal sehen Sie etwas und wissen genau, so etwas werden Sie nie wieder erleben. An dieser Stelle leben die Geschichten auch nach dem Lagerfeuer weiter.

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SLC 56

Chris Watson

Ein Spaziergang in den Bergen

11. Juni 2004 • 5 Kilometer vor Alice Springs, Australien
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“Ein Freund besuchte mich in unserer kleinen Wüstenstadt Alice Springs, mitten im Herzen von Australien.”

Gemeinsam unternahmen wir einen Spaziergang in den Hügeln über meinem Haus – um die Landschaft zu bestaunen, aber auch auf der Such nach einem Keilschwanzadler, den meine Freundin noch nie in freier Wildbahn gesehen hatte. Zunächst kämpften wir uns über steile Geröllhänge und schroffe Felswände in Richtung Spitze. Dabei begegneten wir einem Riesenwaran. Einen Moment lang blieben wir wie angewurzelt stehen um ihn vorbei zu lassen. Mit der größten Echsenart Australiens sollte man nicht über Vorfahrtsregeln diskutieren. Wir kamen ganz gut ins Schwitzen und unsere Beine schmerzten, als wir uns dem Gipfel der Felsen näherten. Aber all die Mühen waren vergessen als wir auf der Kuppe standen, uns mit Getränken erfrischten und den Blick über die Wüstentäler, meine Heimatstadt und die MacDonnell Ranges schweifen ließen, die sich am Horizont nach Osten und Westen erstreckten.

E Sogar aus der Ferne wussten wir genau, was wir da sahen. Wir mussten nur etwas näher heran.

Noch ehe ich mich ganz von den Anstrengungen des Aufstiegs erholt hatte, fiel mein Blick auf etwas einige hundert Meter am Ende des Cliffs. Ich hatte noch nicht einmal durch mein Fernglas gesehen, da wusste ich bereits, dass der gewaltige Schatten in dem toten Baum der Adler war, den wir suchten. Die Sicht durch mein altes, ramponiertes Fernglas war leider sehr dürftig – um mehr zu sehen mussten wir uns näher heranschleichen. Nach den ersten Schritten in Richtung der Gestalt stellte ich überrascht fest, dass wir von einem Graubartfalken beobachtet wurden, der auf einem Ast über der Klippe saß. Ich fürchtete, dass er aufgescheucht werden und damit den Adler alarmieren würde, doch die Sorge war unbegründet, denn in diesem Augenblick flog der Vogel in die Gegenrichtung davon, auf der Jagd nach einigen Zwergschwalbenstaren.
Der Graubartfalke

Wir bewegten uns weiter, doch ein weiteres Mal wurde meine Aufmerksamkeit abgelenkt, diesmal von einem Schwarm Rotschopftauben! Ein besonderer und sehr unerwarteter Anblick. Doch wieder hatte ich Bedenken, dass die Vögel plötzlich und mit geräuschvollem Flügelschlag und Federrascheln zum Flug ansetzen könnten. Auch sie verrieten uns nicht, und wanderten einfach in ihrer wachtelähnlichen Art ins Gras davon.
So wie alle Tauben erzeugen auch diese Vögel laute Geräusche beim Abflug.

Endlich hatten wir uns dem großen Raubvogel so weit genähert, dass meine Freundin ihn im Detail betrachten konnte. Von der Klippe aus sahen wir ein Purpurnacken-Felsenkänguru – sicherlich ein Grund, warum die Gegend bei Adlern so beliebt ist. Das Känguru jedenfalls war sich glücklicherweise der Gefahr nicht bewusst, die wenige hundert Meter über ihm lauerte, als es fröhlich der Mittagssonne entgegen sprang.
Endlich nahe genug für eine Aufnahme des gewaltigen Vogels.

Nach dieser Vielzahl an Begegnungen mit der wilden Tierwelt machten wir uns an den schwierigen Abstieg, ehe die Sonne zu tief sank. Rückblickend auf all das, was wir an nur einem Tag erleben durften, kam mir ein unausweichlicher Gedanke: Ich brauche unbedingt ein besseres Fernglas.
  • Keilschwanzadler

    Der Keilschwanzadler ist der größte Greifvogel in Australien. Er kommt auch im Süden von Neuguinea vor. Sein diamantförmiger Schwanz macht ihn im Flug leicht erkennbar. Bildquelle

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  • Black-flanked rock-wallaby

    Dieses Wallaby ist potenziell vom Aussterben bedroht. Um die Art zu erhalten wurde ein spezielles, kontrolliertes Zuchtprogramm gestartet. Bildquelle

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  • Rotschopftaube

    Einzigartig in Australien kommt die Rotschopf- oder Spinifextaube in drei verschiedenen Rassen vor. Alle drei Arten haben ein aufrechtes Kreuz als Teil ihres Federkleids. Bildquelle

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  • Graubartfalke

    Der kleine Graubartfalke, auch Nankeenfalke genannt, ist weit verbreitet in Australien. Er besitzt die Fähigkeit bei der Beutejagd fast bewegungslos in der Luft zu verharren. Bildquelle

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  • Riesenwaran

    Die weltweite viertgrößte Echse ist auf Grund ihrer Schüchternheit ein seltener Anblick. Sie kann in den Trockengebieten des mittleren Australiens gefunden werden. Bildquelle

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