Manchmal sehen Sie etwas und wissen genau, so etwas werden Sie nie wieder erleben. An dieser Stelle leben die Geschichten auch nach dem Lagerfeuer weiter.

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SLC 56

Ron Efrat

In der Zwickmühle

24. Oktober 2011 • 30 km westlich von Jerusalem
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“Ich war gerade ein paar Tage zuvor nach Jerusalem gezogen, da lud mich ein Freund auf eine zweitägige Birding-Tour in meiner neuen Heimat ein.”

Der erste Tag war großartig, ich sah eine Menge Vögel – und hatte dabei die beste Gesellschaft! Nach einem delikaten Abendessen in der Natur öffneten wir unsere Schlafsäcke und betteten uns neben ein wunderschönes Wasserreservoir, das am nächsten Tag unser erster Beobachtungspunkt sein sollte.

Wir ahnten noch nicht, wie dieser nächste Tag beginnen würde! Spät in der Nacht wurden wir durch die Geräusche von Kranichen ganz in der Nähe geweckt – es klang wie ein Pärchen am Boden und ein Jungtier in der Luft. Vorsichtig standen wir auf und versuchten sie zu orten, jedoch ohne Erfolg, also vertrösteten wir uns auf den nächsten Morgen in der Hoffnung, sie würden die Nacht über an Ort und Stelle bleiben.

Wir wachten sehr früh auf, und da war das gleiche Schauspiel: zwei erwachsene Kraniche auf dem Boden und ein Junges, diesmal deutlich zu sehen, in der Luft. Ich kann nicht sagen wieso, aber wir ahnten, dass dies Warnrufe waren, also suchten wir sofort nach den Tieren. Der Anblick war nicht schön: Die beiden Alttiere standen im Wasser, gefangen in Dornengestrüpp, konnten kaum ihre Köpfe oben halten und riefen verzweifelt nach dem Jungtier über ihnen. Ohne nachzudenken sprang ich ins Wasser und mein Freund rief nach dem zuständigen Ranger.

Sofort fiel mir der Geruch auf, denn es handelte sich um ein Reservoir mit aufbereitetem Abwasser (!). Doch das war es wert, denn wir bekamen die Kraniche schnell frei und übergaben sie dem Ranger, der sie in die Krankenstation für Wildtiere brachte. Wie oder warum sie in diese Lage gekommen waren, bleibt offen, wichtig ist nur, dass sie von den Dornen befreit, behandelt und am gleichen Tag wieder in die Natur entlassen wurden. Soweit ich weiß, haben sie auch wieder zurück zu ihrem Jungen gefunden – und lebten noch lange glücklich und zufrieden.

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